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ANSICHTEN UND GESCHICHTEN

DAS ROYAL IN LANA

27. Dezember 2023

Die kurze Geschichte des Hotel Royal in Lana.

Anfangen tut das Royal mit einem neuen Jahrhundert und das genauso bombastisch. Hotel-Investor Tobias Kreyer aus Achensee macht Öffentlichkeitsarbeit für sein Vorhaben, ein Hotel der Extra-Klasse in Lana aufzuziehen. In den Zeitungen häuft sich diese „Voranzeige“.

Voranzeige. Hotel Royal in Lana bei Meran. Eröffnung am 15. September 1906.

1905 im Hochbau ausgebaut, mit ca. 70 komfortabel eingerichteten Fremdenzimmern (meist Süd- und Südostzimmer mit Balkons) Speisesaal, Cafésalon mit Billard und hübschen Restaurationsräumen, große Veranda und Garten (auch Spaziergarten). Lift, elektrisches Licht, Zentral-Niederdruck-Dampfheizung. Kalte und warme Bäder im Hause. Zimmer von k 1.60 aufwärts. Pension inkl. Zimmer von K 6.— aufwärts. Wunderbare Aussicht auf Meran und auf das Gebirge des mittleren Burggrafenamtes. Prächtige Aussicht in die berühmte Gaulschlucht. Herrliche Lage zwischen Obst- und Weingärten. Sehr schöne Spaziergänge in die Gaulschlucht, in der Ebene, und in das Mittelgebirge. Hotelwagen zu jedem Zuge der Bozen-Meraner-Bahn. Station Lana-Burgstall. Von Meran per elektr. Bahn in 20 Minuten erreichbar. Keine Kurtaxe. Besitzer: Tobias Kreyer. Direktion: Leopold Klima (früher Hotel Europe, zuletzt Hotel Kaiserkrone, Bozen).

Luxus zu Schnäppchenpreisen. Neueste Technik: Lift, elektrisches Licht, Zentralheizung. Was für ein Service: Ein Hotelwagen zu jedem Zug nach Burgstall. Und mit der elektrischen Tram in 20 Minuten auf der Kurpromenade stehen – das alles vor über hundert Jahren. Das Hotel Royal fällt in eine Zeit des schieren Optimismus. Es herrscht Gründerzeit in Lana. Im „Maiser Wochenblatt“ liest man am 29. September 1906:

Aus Lana schreibt man uns: Die Bautätigkeit ist hier eine äußerst lebhafte. An allen Ecken und Enden werden Neubauten aufgeführt, oder es werden alte Häuser renoviert.  […] — Im Hotel Royal, welches ziemlich gut besetzt ist, wurde dieser Tage der Telephon installiert und werden dort auch neue Gartenanlagen gelegt.

Man beachte: „der Telephon“! Unschuld der Gründerzeit. Der, die oder das, ‚die Musi‘ ist immer dabei. Die „Alpenländische Gewerbe-Zeitung“ am 8. September 1909:

Das Hotel „Royal“ in Lana wurde am Sonntag, den 5. September, mit einem Konzert der Lanaer Musikkapelle in Nationaltracht) eröffnet. Das Konzert war sehr gut besucht.

War die Eröffnung jetzt 1906 oder 1909? Andere Quellen mögen Auskunft geben. Jedenfalls werden noch heute am Platz hinter dem „Royal“ die sonntäglichen Platzkonzerte der Lananer und anderer Musikkapellen „in Nationaltracht“ aufgeführt.

Royal, Ende eines Traums

Hotelier Tobias Kreyer aus Achensee hat kein Glück mit seinen Hotels. Ende des Jahres 1913, also noch zu Friedens- und Boom-Zeiten, gibt es eine knappe Meldung zum „Royal“ (Alpenländische Gewerbe-Zeitung 18.12.1913).

(B e s i t z w e c h s e l.) Das Hotel Royal in Lana wurde vom Besitzer Tobias Kreyer an Herrn Raimund Ruetz um K 450.000 verkauft. Herr Ruetz gedenkt das Hotel unter dem Namen „Posthotel Royal“ in gleicher Weise weiterzuführen.

Offensichtlich ist ein Nobelhotel in Lana doch nicht so vorteilhaft für die verwöhnten Meraner Kurgäste. Bemerkenswert an dieser knappen Zeitungsnotiz ist der Preis. Kreyer verkauft 1913 das „Royal“ um 450.000 Kronen. Zum Start des Hotels hatte er 70 Zimmer mit Pension um 6 Kronen angeboten: Ergibt bei Vollbelegung ein Tagesinkasso von 420 Kronen – geht sich da eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals überhaupt aus aus? Wenn man annimmt, dass der Käufer den Preis ordentlich gedrückt hat, also die Investitionssumme deutlich höher gewesen sein muss, hat man eine Idee davon, wie waghalsig Kreyer vorging.

1915 im Mai steigt Italien in den Krieg ein. Der Krieg an der nahen Südfront beendet alle touristischen Höhenflüge. 1917 ist Kreyer am Ende. Nun kommt sein Stammhaus, das Hotel „Scholastika“ am Achensee unter den Hammer. Einer der Gläubiger ist Raimund Ruetz.

Hotelbesitzer in Lana a. d. E., mit Pfand auf die Liegenschaft in Lana im Betrage von 105.434 Kr.

(Ausschnitt aus der Versteigerungsmeldung im „Tiroler Grenzbote“ am 13. Juni 1917).

Das Royal wird Kino

Als der Große Krieg 1918 verloren war, schnappten sich die neuen Herren Südtirols fast alle schönen Liegenschaften im Land. Das Hotel Royal in Lana war da keine Ausnahme. Es wurde zum „Municipio“. Aber es war etwas zu groß. Post und Schulklassen ziehen ein. In den obersten Stockwerken wohnen Beamte. Da meldet die „Alpenzeitung“ am 8. August 1926 aus Lana:

Neues Kino. Der Podestà Cav. Dr. Michel-Weinhart hat zwecks Errichtung eines Kino-Theaters den im Parterre gelegenen großen Saal des Gemeindeamtes (früherer Speisesaal des Hotel Royal) an den bestbekannten Meraner Kinobesitzer Herrn Gentile (Plankenstein- und Theater-Kino) vermietet, so daß nach Beendigung der bereits begonnenen Adaptierungsarbeiten auch der Lanaer Bevölkerung die Möglichkeit geboten ist, bei mäßigen Preisen erstklassige Filmstücke historischen, religiösen und wissenschaftlichen Inhalts in Lana selbst zu sehen. Die erste Vorstellung wird als Wohltätigkeitsvorstellung zugunsten des Lanaer Kinder-Asyls und Waisenhauses abgehalten.

Doch auch Kinos haben ihre Glanzzeit längst hinter sich. Heute ist das „Royal“ wieder großzügig ausgebaut und glänzt als Sitz der Marktgemeinde Lana.

 

ENDE

Bilder

Kopfbild: Das Royal 2023 zu Weihnachten (c) dege 12/2023

Fußbild: Der First des ehemaligen Hotel Royal; Gut sichtbar die Initialen TK (Tobias Kreyer) (c) dege 11/2023

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